Die Fachtagung für das Schultheater der Länder 2017 ist ausverkauft!

 

 

Der Fachtagungsreader zum SDL*17 steht zum Download bereit:

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Der Fachtagungsreader wird allen Teilnehmer*innen des SDL*17 in gedruckter Form vorliegen.

 

 

SCHULTHEATER DER LÄNDER 2017

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Introtext zur SDL*17 Fachtagung

 

Mit Theater und Film nimmt das SDL 2017 zwei Darstellungsformen in den Blick, die trotz aller Differenzen viel enger aufeinander bezogen sind, als es zunächst den Anschein hat. Geht es doch bei beiden grundsätzlich darum, das Visuelle zu organisieren - im Theater live unter Einbeziehung aller Anwesenden einer Aufführung, im Film als Vorführung von etwas bereits im Vorfeld Gemachten. Natürlich ließen sich die Unterschiede betonen und eine Trennung über ein technisches Primat im Film gegenüber dem performativen Element im Theater stark machen.

 

Liest man Theater.Film aber als Verbindung, findet man vielfältige Wechselbeziehungen, die weit über den reinen Medien-Einsatz während einer Theateraufführung hinausgehen und eine lange Tradition haben. Während in der Entstehungszeit des Filmes zunächst das Theater den Film beeinflusste und sich das frühe „Kino der Attraktionen“ in die vornehmlich narrative Richtung des Hollywood-Kinos bewegte, ist es heute umgekehrt: Allein quantitativ ist die filmische Sozialisation um ein vielfaches umfangreicher als die theatrale – die Möglichkeit, seinen Alltag als Film zu wahrzunehmen bzw. diesen als solchen zu gestalten, ist mit der Integration der Kamera in die Lebenswelt zum Standard geworden; das Internet ist wohl die mächtigste Bildmaschine, die uns Menschen jemals zur Verfügung gestanden hat. Dort tummeln sich nicht nur als User, die sich in Film-Tutorials erklären lassen, wie man eine Lasagne zubereitet, sondern auch als Creator, die Urheber von Bildfolgen sind und z.T. ihre private Existenz als Grundlage eines nicht enden wollenden Bilderflusses in eigener Sache nutzen. Dass dies nicht ohne Folgen in Bezug auf die generelle mentale Verarbeitung von (dort) sichtbar werdenden Welten bleibt, steht außer Frage: Das Musikvideo der 1980er Jahre hat eine enorme Beschleunigung und Verdichtung von Bild-Informationen verursacht, die auf allgemeine Erwartungen an Darstellungsformen abfärbt und Rezeptionskonventionen herausfordernd verändert. Allein die zeitliche Rhythmisierung von Wahrnehmung, das Denken der Zuschauer in „Cuts“, „Close-Ups“, Ausschnitten und Wiederholungen lässt eine trennende Interpretation von „klassischem Theater“ und Film kaum zu. Angesichts einer medial / filmisch geprägten Sozialisation der Schüler wäre eine Dramaturgie des Theaters, die ohne Beeinflussung durch den Film konzipiert ist, ungefähr gleich schlüssig wie die Vorstellung des modernen Raumes ohne die Erfindung von Eisenbahn, Automobil und Flugzeug.

 

Neben dieser impliziten Bedeutsamkeit geht es bei Theater.Film aber auch um einen expliziten Umgang des Theaters mit „dem Film“ - sei es als gezielte Referenz auf das popkulturelle Phänomen, als Zitat bzw. Rückübersetzung und Transfer filmischer Elemente ins Theater entsprechend der Logik der Postmoderne, sei es als Experimentierfeld im Sinne der technischen Erweiterung des Bühnenraums. Letztlich geht es um zusätzliche Rezeptionsebenen - sowohl beim konkreten Einsatz von Film bei Aufführungen, als auch in Bezug auf den imaginären Raum, die Vorstellungswelten, die das Publikum längst nicht mehr nur aus der sogenannten realen Welt, sondern auch aus der Welt ihrer jeweiligen filmischen Sozialisation mitbringen. Mit diesen vielfältigen Bezügen bewusst umzugehen, diese gezielt einzusetzen oder zu negieren gehört mit Sicherheit zu den spannendsten Themen des Gegenwarttheaters – unabhängig davon, ob es sich um professionelles oder schulisches Theater handelt.

 

 

 

Liebe Fachtagungsteilnehmer*innen,

 

die Fachtagung zum Thema „Theater.Film“ findet am 18.09.2017 in der Zeit von 9:00 – 17:30 Uhr in der Fachhochschule Potsdam (Kiepenheuerallee 5) statt. Der Tag beginnt mit zwei Vorträgen der beiden Hamburger Theaterschaffenden, Alina Gregor und Hanna Linn Ernst und Volker Schlöndorff, dem bekannten Potsdamer Filmregisseur und Oscar-Preisträger.

 

Nach der Mittagspause, in der Sie gern in der Mensa essen können, finden dann fünf Workshops zum Thema „Theater.Film“ am selben Ort parallel statt, in die Sie sich mit Ihrer Anmeldung zur Fachtagung gern einwählen können.

 

 

 

Fachtagungsvorträge – Montag, 18.09.2017 // ab 9.00 Uhr

 

Filmische Mittel und die (unberechtigte) Angst des Theaters vor „den Medien“

mit Alina Gregor und Hanna Linn Ernst

 

Theater tritt immer mehr in Kommunikation mit anderen Medien. Es muss, denn es geht im Theater immer um das ganze Leben der Menschen. Theater stellt unser Leben dar. Heutzutage kommt es also auch nicht mehr drum herum, unseren Umgang und unsere ständige Konfrontation mit medialen Informationen, virtuellen Räumen, Freunden und Erlebnissen zu thematisieren. Theater hat ständig Angst, von anderen Medien nutzlos gemacht zu werden, aber es braucht sich nicht zu verstecken, es kann viel mehr:

Es kann sich die Mittel der anderen Medien aneignen, sie benutzen, zeigen, an ihnen scheitern oder sie thematisieren.

 

Jetzt also Theater.Film: Wie wirken filmische Mittel, wenn man sie "klaut", behauptet, ablehnt, bricht?

Welche Möglichkeiten bietet der Einsatz filmischer Mittel für eine neue „Erzählsprache“ auf der Bühne?

Wie kann man Textflächen für die Bühne nutzbar machen und brechen?  Welche Mittel wirken wie?

Welche werden im Theater zu etwas ganz anderem als im Film? Was bewegt junge Generationen heute noch im Theater und wie können wir überzeugende Gestaltungsprinzipien finden und in der Arbeit mit jungen Menschen umsetzen? Wir versuchen in unserem Vortrag filmische Mittel zu benennen, sie auf der Vortragsbühne umzusetzen, sie fürs Theater zu testen, zu hinterfragen und vielleicht auch an ihnen zu scheitern.

 

 

Gespräch über das produktive Verhältnis von Theater und Film

 mit Volker Schlöndorff

 

Schülertheater und Film waren für mich von kleinauf eng verbunden. Schon während der Volksschule bauten wir auf einer Wiese ein kleines Zelt auf, improvisiert aus alten Wehrmachtsdecken, Wäscheleinen und Teppichstange. Darin produzierte ich mich als Tierbändiger und Zirkusdirektor.

Im Gymnasium dann regte unser Deutschlehrer das Schreiben eines eigenen Stückes an; auf meinen Vorschlag hin war die Hauptperson ein Zeitungsjunge, der auf der Wiesbadener Kirchgasse irgendwelche Schlagzeilen lautstark verkündete. Der Rest war wohl mehr oder weniger bei Erich Kästners Emil und die Direktive geklaut.

 

Als ich dann mit 16 auf ein Internat nach Frankreich kam, um etwas Französisch zu lernen, (und ohne es zu wissen zum Europäer wurde),   landete ich dort in der Theatermannschaft. Der Jesuitenpater, der mir Französich beibringen sollte, leitete diese nämlich. So kam es, dass ausgerechnet ich, der ich kein Wort Französisch sprach, nachmittags unter der Regie von Picasso Theaterprobe hatte. Ich lernte die drei Sätze eines Tagelöhners, die ich - in schönster Ionesco-Manier - auch im Alltag einsetzte, so oft ich konnte.

Natürlich bastelten wir die Dekorationen selbst, aus Packpapier und viel Farbe, wobei Picasso seinem Namen Ehre machte. Auch als unser Regisseur war er unglaublich leidenschaftlich, ernst und kein bisschen amateurhaft. Mal brüllte er Anweisungen aus einem alten Lehnstuhl im Zuschauerraum, mal sprang er - wie eh und je Regisseure es tun - über Bänke und Stühle auf die Bühne, um uns eine schmachtende Liebende vorzuspielen, völlig vergessend, wie komisch das in der Soutane wirkte.

- Ihr habt ja keine Ahnung von der Liebe. Wie die einen verzehrt, auffrisst, zum Wahnsinn treibt, fuhr er uns mit einem Schwall übelster Beschimpfungen an und fügte hinzu:

- Immerhin werdet ihr sie eines Tages erfahren, ich dagegen …

 

Neben dem Theater leitete er auch den Filmclub, wo ich zum ersten Mal einen Stummfilm sah, die jeanne d`arc von Dreyer. Picasso erläuterte uns unter Tränen, wie mächtig Glaube sein könne, wenn er uns die Kraft gibt, im Feuer zu sterben, ohne Gott und die Menschen zu verfluchen. der neunte tag ist mein später Gruß an ihn, und nicht nur aus Gründen der Schwarz-Weiß-Fotografie musste sich mein Kameramann Thomas Erhart diese Heilige Johanna mehrfach mit mir anschauen. Auch nach Jahrzehnten war ich wieder überwältigt von der Kraft der Großaufnahmen, von den ungeschminkten Köpfen, die so schräg und merkwürdig verschnitten ins Bild gesetzt waren, dass jeder Blick auf sie indiskret wirkte. Man meinte, sich abwenden zu müssen, so direkt war man mit diesen Gesichtern konfrontiert.

 

Nach diesen ersten Erfahrungen war es für mich undenkbar einen der bürgerlichen Beruf zu ergreifen, die sich mir sonst anboten, Rechtsanwalt, Arzt oder gar Diplomat, wie es sich mein Vater wünschte. Ohne mich wirklich als Künstler zu begreifen war es einfach die Art das Leben nachzuspielen, um es besser zu verstehen, die mich faszinierte. Diese meine persönliche Erfahrung ist vielleicht nicht übertragbar, aber fest steht, dass Schüler- Theater einen weit bringen kann.

 

 

 

Fachtagungsworkshops – Montag, 18.09.2017 // Nachmittag

 

1. Filmische Mittel als Ausgangspunkt für performatives Arbeiten

Dozentin: Alina Gregor

 

Das Medium Film findet häufig große Akzeptanz bei jungen Generationen. Filmische Mittel können mit kleinen und großen Schülergruppen - ästhetisch neu - auf die Bühne gebracht werden. In diesem Workshop fragen wir uns, wie filmische Mittel wie z.B. der „Schnitt“, „Zeitlupe und -raffer“ oder das Spiel mit „Ausschnitten“ das Bühnenspiel beeinflussen und verändern können. Performatives Arbeiten impliziert viele dieser „Filmästhetiken“ und lässt unabhängig von einer Narration einen „künstlerischen roten Faden“ durch das Einsetzen dieser Mittel entstehen. Ziel unseres Workshops ist das Erforschen und Finden von verschiedenen Kompositionsmöglichkeiten in Bezug auf eine Szenenmontage mit jungen Protagonisten. Durch das Zusammenspiel verschiedener künstlerischer Medien u. Ausdrucksformen wie Körper, Bild, Film, Performance und elektronische Medien ergeben sich Mischformen und Crossover- Stile, die neue Poetiken für eine szenische Anordnung entstehen lassen.

 

Diplomstudium der angewandten Theaterwissenschaften in Gießen. Seit 2003 arbeitet Alina Gregor als Dozentin, Schauspielerin und Regisseurin an verschiedenen deutschen Theatern u.a. dem Thalia Theater Hamburg. Seit 2014  als Lehrbeauftragte an der Hochschule für angewandte Wissenschaften. Seit 2015 als Dozentin am „Zentrum für Performance Studies Hamburg“. Lehraufträge und Dozentin in Düsseldorf, Quito für das Lehrerfortbildungsinstitut Hamburg, für das IQSH.- Schleswig- Holstein und an der Leuphana Universität Lüneburg. Alina Gregor leitet für das junge Thalia seit 2008 die Performancegruppe „Reset“. Und seit 2015 auch das Studierenden- PerformanceEnsemble des Thalia Theaters.  Mehrere ihrer Inszenierungen wurden auf das internationale Lessingtage - Festival  des Thalia Theaters und das innovative Kaltstartfestival eingeladen. Als Performerin ist sie in mehreren Kinderstücken des Theater Papperlapapp (für das Hamburger Kinderbuchhaus) u.a. zu sehen. Sie ist  Mutter von zwei Schulkindern.

 

 

2. Einsatz von Video auf der Bühne

Dozentin: Hanna Linn Ernst

 

Welche Wirkungen können durch Videoeinsatz auf der Bühne erzeugt werden? Wenn Video auf der Bühne als Mittel eingesetzt wird, bietet es die Möglichkeit einer weiteren Rezeptionsebene und dadurch die Möglichkeit das Bühnengeschehen in ein neues Verhältnis zu setzen, anders zu rezipieren, zu kommentieren, zu unterlaufen, zu stärken, zu übertreiben. Welche Bedürfnisse bringt der Videoeinsatz mit sich? Der Einsatz von Video erfordert Maßnahmen, die alle anderen Medien im Theater betreffen. Dabei spielt die Realisierbarkeit durch vorhandene technische Mittel und technisches Know-How der Lehrenden und der SchülerInnen eine große Rolle. Wie kann mit wenig technischen Mitteln Video sinnbringend eingesetzt werden? Anhand eines einfachen Videosetups (Kamera, Videomischer, Beamer) werden verschiedene Möglichkeiten des Videoeinsatzes hergestellt. Eine Question and Answer Runde gibt den Teilnehmern die Möglichkeit, konkrete Fragen und Anliegen zum Einsatz von Video auf der Bühne zu formulieren, die ihnen als Hindernisse oder Unsicherheiten in ihren Schultheater-Projekten erscheinen.

 

Geboren in Goslar, bis zum Abitur in Niedersachsen hin- und hergezogen, ist Diplom- Theaterwissenschaftlerin (Angewandte Theaterwissenschaft, Gießen) und Bildende Künstlerin (HFBK Hamburg). An der Grenze zwischen Theater und Kunst entwickelte Hanna Linn Ernst eigene Performance-Produktionen und Video-Installationen, die unter anderem auf den Wiener Festwochen, beim Live-Art Festival in Hamburg, auf Kampnagel, beim Stuttgarter Filmwinter im Expanded Media Wettbewerb und an kleineren versteckteren Orten zu sehen waren. Seit ihrem Diplom liegt ihr Schwerpunkt auf dem Einsatz von Video auf der Bühne, den sie als Live-Video-Performerin und Videokünstlerin auf Theaterbühnen verfolgt. Videoarbeiten für die Bühne entwickelte sie in Zusammenarbeit mit Rimini Protokoll, Nicolas Stemann, Claudia Plöchinger und Nora Bussenius im Deutschen Schauspielhaus und am Thalia-Theater Hamburg, am Schauspiel Hannover, am Theater Oldenburg und auf Kampnagel Hamburg. Ausgezeichnet wurde sie mit dem Performing Science Preis 2007.

 

 

3. Play now! - Konstruktives Crossover der Medien

Dozent: Jürgen Salzmann

 

Konstruktives Crossover der Medien In diesem Workshop werden wir das Verhältnis und die gegenseitige Beeinflussung von Theater und Film ausloten. Anhand verschiedener Beispiele aus eigenen und  ausgewählten Produktionen werden wir sehen, wie sich Theater und Film spielerisch in neue Kontexte und Formate bringen lassen. Wir werden lustvoll Formatideen skizzieren und ansatzweise ausprobieren, um deren Wirkung zu erspüren und herauszufinden, wie diese in der eigenen konkreten Theaterarbeit eingesetzt werden können.

 

Jürgen Salzmann ist Videodesigner, Performer und Regisseur und einer der wenigen deutschsprachigen Künstler, die bereits seit Anfang der 90er Jahre kontinuierlich mit dem Medium Video in seinen Arbeiten experimentiert haben. Seine Mitwirkung in zahlreichen Produktionen im In- und Ausland reichen von Inszenierungen klassischer Bühnentexte und Opern über Tanz- und Sitespecific Performances bis hin zu selbstentwickelten individuellen Formaten, in denen er die Möglichkeiten dieses Mediums, auch als Spiegel gesellschaftlich relevanter Themen und Realitäten weiterentwickelt und immer wieder in Frage gestellt hat.

 

 

4. TOTAL RECALL – die szenische Nacherzählung von Filmen

Dozent: André Studt

 

"Als ich im November 2013 zufällig das ‚Festival des nacherzählten Films’ besuchte (einen Eindruck bekommt man bei http://www.total-recall.org/intro/), hatte ich nicht nur einen unterhaltsamen Abend sondern auch viele Ideen für eine Weiterverarbeitung:

So möchte ich mich, froh über den Anlass Theater.Film, mit den Teilnehmenden exemplarisch an der Nacherzählung eines Films probieren, d.h. der Frage, wie aus einer Bild-Vorlage eine Szene werden kann. Um dabei nicht beliebig zu werden, halten wir uns an die Regels des ‚total recall’: Die Filmerzählung wird auf maximal 90 Sekunden komprimiert. Das sorgt automatisch für eine Sichtbarkeit der Unterschiede zwischen den Medien und ihren Narratemen und bringt ganz neue / andere Möglich- und Notwendigkeiten der Gestaltung mit sich. Vielleicht gelingt uns sogar – mit Blick auf den epischen Gestus von Brecht – eine organische Zusammenführung von Theater und Film – und das sowohl in der Theorie als auch ganz praktisch..."

 

André Studt, geboren 1970 in Neumünster, ist seit 2003 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theater- und Medienwissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Im Rahmen seiner dortigen Tätigkeit bemüht er sich mit Blick auf das oft ambivalente Verhältnis von Theorie und Praxis um die Etablierung einer ‚pragmatischen Theaterwissenschaft’, die Theater weniger als Kunst- denn als Kommunikationsform be- und verarbeiten möchte. Er ist dem SDL seit vielen Jahren in unterschiedlichen Funktionen verbunden, zuletzt begleitet er das Festival als Essayist und Autor des Fokus Schultheater. Seine Mitherausgeberschaft der Zeitschrift ‚Schultheater’ und seine Mitwirkung an der Lehrer*innenausbildung im Erweiterungsstudiengang ‚Darstellendes Spiel’ der FAU modellieren maßgeblich sein theaterwissenschaftliches Selbstverständnis.

 

 

5. Crossover von Film und Theater – ein Experiment

Dozentinnen: Ann-Kristin Reyels / Kerstin Retemeyer

 

Die Annäherung von Film und Theater geschieht seit Jahren auf vielfältige Weise – als Adaption

eines Filmstoffes für die Bühne, mit dem Einsatz filmischer Mittel im Theater, mit neuen

dramaturgischen Strukturen. Internationale KünstlerInnen wie Katie Mitchell, Simon Stone,

Nicolas Stemann, Frank Castorf, René Pollesch, um nur einige zu nennen, arbeiten seit Jahren sehr

erfolgreich mit der Kamera auf der Bühne und lassen neue theatrale Formen entstehen. Die

Kamera allein schafft das Besondere in der Annäherung der beiden Medien nicht. Aber was ist es?

Was sind die Spezifika von Film und Bühne? Wie können sich diese beiden Medien gegenseitig

unterstützen, um Räume zu öffnen? Wie verändert sich die Wahrnehmung im Zusammenspiel der

Medien? Wie verändert sich der Umgang mit Sprache in den unterschiedlichen Ausdrucksformen?

Welche Strukturen lassen sich entwickeln, um damit Figuren und Geschichten zu bereichern? Was

bringt der Einsatz der Kamera und wie sollte sie ins szenische Geschehen eingebunden werden?

Wie strukturiert sich die Wahrnehmung von Zeit in den beiden Medien? Wie findet man mit

filmischen Mitteln interessante Erzählmuster für die Bühne? Wie geht man mit den Zuschauern

um? Welche Spielweise ist zu wählen? Was lässt sich wie erzählen? etc.

In der gemeinsamen Arbeit gehen wir diesen und ähnlichen Fragen nach und setzen dabei

folgende Schwerpunkte:

 

1. Storytelling/ Spiel im Raum

2. Spiel mit/ vor der Kamera

Arbeitsgrundlage bildet der Roman „Tschik“ von Wolfgang Herrendorf, erschienen im Rowohlt

Verlag.

 

Wir bitten alle TeilnehmerInnen sich im Vorfeld eine zentrale Sequenz aus dem Buch auszuwählen,

sich dafür eine szenische Umsetzung zu überlegen und per e-Mail an die Organisatoren bis zum

25.08.2017 zu senden. Entscheiden Sie sich bitte dabei auch für welche der beiden Gruppen Sie

sich interessieren und teilen Sie dies ebenfalls mit. Bitte die Idee auf höchstens einer DIN A4 Seite skizzieren. Diese Vorbereitung bildet die Grundlage für die gemeinsame Arbeit. Es geht uns um Ideen – und Erfahrungstausch, Teamarbeit und die kreative Arbeit in der Gruppe. Aufgrund Ihrer Entwürfe können wir gezielt auf Fragestellungen und Bedürfnisse eingehen. Wir werden uns nach einer kurzen Einführung in die Schwerpunktgruppen teilen, Ideen erproben und am Ende des Seminars unsere Erfahrungen austauschen.

 

Dr. Kerstin Retemeyer

Arbeit als Autorin, Dramaturgin, Regisseurin / künstlerische Leiterin von Kinder- und

Amateurtheatergruppen. 2010 - 2015 Koordination und stellvertretende Leiterin des Studiengangs

Dramaturgie an der Akademie für darstellende Kunst Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Seit

2015 Gastprofessorin an der Filmuniversität Konrad Wolf in Babelsberg. Lehrveranstaltungen zur

Theatergeschichte, Dramaturgie, Gegenwartstheater und Leitung von transmedialen theatralen

Projekten.

 

Ann-Kristin Reyels

Absolventin der HFF Potsdam/ Babelsberg, studiert bei u.a. Helke Misselwitz, Robert Bramkamp

Seit 2007 freie Regisseurin und Autorin. Dozentin an verschiedenen Filmschulen für das Fach Regie.

2 Kinder, verheiratet, lebt und arbeitet in Berlin.